Volker Hummel

„Ich hatte weder Kenntnis noch wusste ich, worauf ich mich einlasse. Aber ich fand die Idee gut, habe mich beworben und einfach gemacht. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“
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Wie ein Jahr in Texas eine ganze Familie prägte
Das PPP wirkt weiter: Part 3

Als Volker Hummel Anfang der 1990er Jahre einen Flyer seiner Handwerkskammer in die Hände bekam, dachte er nicht lange nach. Das Parlamentarische Patenschafts-Programm klang spannend, also bewarb er sich. Große Pläne hatte er damals keine. Ein besonderes Interesse an den USA ebenfalls nicht. Und doch wurde dieses Jahr zu einer Erfahrung, die ihn bis heute begleitet. Mehr als dreißig Jahre später haben nicht nur seine Tochter und sein Sohn am PPP teilgenommen, auch der Kontakt zu seinen Gastfamilien besteht bis heute. Für Volker ist deshalb klar: „Das PPP wirkt für mich bis heute weiter, weil es einzigartig ist.“

Ein Flyer, eine spontane Bewerbung und ein großes Abenteuer

Heute ist Volker 51 Jahre alt und Vertriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens aus der Chemiebranche. Als er sich für das PPP bewarb, war sein Leben noch deutlich überschaubarer. Er stammte aus einem Dorf mit rund 800 Einwohnern, hatte eine Ausbildung zum Estrichleger absolviert und sich zuvor wenig mit Auslandsaufenthalten beschäftigt.

„In dem Alter hat man nie den Wunsch. In dem Alter hat man es einfach gemacht“, erinnert er sich heute lachend. Nach dem Gewinn eines Bundesleistungswettbewerbs im Handwerk erhielt er Informationen über verschiedene Stipendienprogramme. Das PPP war eines davon. Ohne lange zu überlegen, schickte er seine Bewerbung ab. „Ich hatte weder Kenntnis noch wusste ich, worauf ich mich einlasse.“

Ankunft in Amerika ohne Erwartungen

Von Erwartungen wollte Volker damals ohnehin nicht viel wissen. Während andere Teilnehmende ihre Reise bis ins Detail planten, ließ er die Dinge lieber auf sich zukommen.

An seine ersten Tage in den USA erinnert er sich trotzdem noch genau. Nach der Ankunft in New York staunte er vor allem über die anderen Teilnehmenden. „Die hatten den vollen Plan, was sie in den 48 Stunden Aufenthalt dort machen wollten. Ich bin aus der Jugendherberge raus, habe nach links geguckt, nach rechts geguckt und nach oben geguckt und gedacht: Jetzt bin ich mal in New York. Was mache ich?“

Diese Offenheit sollte ihn durch das gesamte Jahr begleiten.

Von Pennsylvania nach Houston

Sein Weg führte ihn zunächst über Pennsylvania, wo gleich die erste Überraschung auf ihn wartete. Aufgrund organisatorischer Probleme war er zunächst gar nicht richtig erfasst worden und verbrachte spontan mehrere Tage auf einer Ranch, bevor er schließlich weiter nach Texas reisen konnte. Statt sich darüber zu ärgern, packte er einfach mit an.

Volker und seine Gastfamlie 1996

„Das Bett muss trocken sein und ich brauche etwas zu essen, dann gehe ich da mit“, beschreibt er seine damalige Einstellung.

Seine eigentliche Platzierung erfolgte schließlich in Houston, Texas. Dort lernte er gleich zwei Gastfamilien kennen. Obwohl er später die Familie wechselte, pflegt er bis heute Kontakt zu beiden Seiten. Besonders eng ist die Verbindung zu Alice und Carl geblieben.

Die größte Herausforderung: Arbeit finden

Während viele Teilnehmende vor allem sprachliche oder kulturelle Herausforderungen nennen, lag Volkers größte Herausforderung an anderer Stelle. Für seinen Beruf als Estrichleger gab es in den USA kaum vergleichbare Einsatzmöglichkeiten.

„Das war mit Abstand die größte Herausforderung“, sagt er rückblickend.

Schließlich fand er Arbeit bei einem Handwerker, der unterschiedlichste Aufträge übernahm, von Gartenarbeiten bis hin zum Innenausbau. Fachlich brachte ihm die Tätigkeit weniger als erhofft. Trotzdem sieht er die Zeit heute positiv: Sie stärkte seine Selbstständigkeit und brachte ihm neue Erfahrungen, auch wenn sie seinen beruflichen Weg nicht direkt beeinflusste.

Mit einer Fünf in Englisch in die USA

Fast noch erstaunlicher als der spontane Start ins Abenteuer USA ist Volkers Verhältnis zur englischen Sprache. Vor der Ausreise sprach er praktisch kein Englisch.

Im Auswahlgespräch wurde ihm sogar offen gesagt: „Herr Hummel, Sie können doch gar kein Englisch.“

Seine Antwort darauf ist bis heute legendär: „Warum soll ich denn rüber, wenn ich es schon könnte?“

Mit einer Fünf in Englisch, einem kurzen Vorbereitungskurs und viel Mut startete er in sein Austauschjahr. Sein Rezept war einfach: reden, ausprobieren und keine Angst vor Fehlern haben. Rückblickend funktionierte das überraschend gut.

Das eigentliche Highlight kam Jahre später

Auf die Frage nach seinem größten Highlight nennt Volker weder eine Reise noch ein besonderes Ereignis.

Stattdessen denkt er an seine Gastfamilie.

Volker und seine Gastfamilie 25 Jahre später

Als er nach rund 25 Jahren erneut in die USA reiste, wurde ihm bewusst, welchen Eindruck er damals hinterlassen hatte. „Beeindruckend war, dass ich sofort als Familienmitglied integriert war“, erzählt er. Das sei ihm während des Austauschjahres selbst gar nicht bewusst gewesen. Erst mit zeitlichem Abstand habe er erkannt, wie besonders diese Verbindung gewesen sei.

Was vom PPP geblieben ist

Beruflich habe das PPP ihm keine besonderen Türen geöffnet, sagt Volker ganz offen. Die eigentliche Wirkung sieht er an anderer Stelle.

„Ich glaube, meine Stärke war schon immer, Dinge einfach zu machen“, sagt er. Das PPP habe ihn darin bestärkt, Chancen zu ergreifen und nicht zu lange zu überlegen.

Volker mit Gastmutter, Bruder und bestem Freund

Noch wichtiger sind für ihn jedoch die Beziehungen, die geblieben sind. Nach vielen Jahren Funkstille fand er über soziale Medien wieder Kontakt zu seinen Gastfamilien. Heute tauscht er sich regelmäßig mit ihnen aus und fühlt sich erneut als Teil der Familie.

Hinzu kommen die Freundschaften zu ehemaligen PPP-Teilnehmenden. Mit einem Teilnehmer seines Jahrgangs verbindet ihn inzwischen sogar eine jahrzehntelange Freundschaft. Die beiden Familien sind bis heute eng miteinander verbunden.

Wenn das PPP zur Familiengeschichte wird

Besonders deutlich wird die langfristige Wirkung des Programms jedoch in Volkers eigener Familie.

Vor einigen Jahren nahm zunächst seine Tochter am PPP teil. Kurz darauf folgte sein Sohn. Beide verbrachten ein Austauschjahr in den USA und sammelten dort ihre ganz eigenen Erfahrungen. Für Volker war das Anlass genug, erneut über den Atlantik zu fliegen und seine ehemaligen Gastfamilien zu besuchen.

Eine Famile – 3 Jahrgänge PPP

 

„Wenn ihr die Chance habt, versucht da mit reinzukommen“, hatte er seinen Kindern zuvor geraten. Viel mehr Einfluss nahm er jedoch bewusst nicht. Sie sollten ihren eigenen Weg gehen und ihre eigenen Erfahrungen machen.

Ein Erlebnis, das verbindet

Auch nach über drei Jahrzehnten engagiert sich Volker im Alumni-Netzwerk des PPP und ist regelmäßig bei Treffen dabei. Für ihn liegt eine besondere Stärke des Programms in den gemeinsamen Erfahrungen.

„Es ist tatsächlich die Besonderheit, dass wir 80 Menschen waren, die das Gleiche erlebt haben. Das verbindet.“

Sein Rat an heutige Teilnehmende ist deshalb einfach:

„Unvoreingenommen an solche Dinge herangehen.“ Wer offen sei, keine überhöhten Erwartungen habe und bereit sei, auf Menschen zuzugehen, könne aus dem Jahr unglaublich viel mitnehmen.

Und vielleicht ist genau das das Fazit seiner Geschichte: Manchmal genügt ein Flyer, eine spontane Entscheidung und die Bereitschaft, einfach loszugehen. Alles Weitere ergibt sich unterwegs.

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