Warum Dilara ihr PPP-Jahr nie wirklich verlassen hat
Das PPP wirkt weiter: Part 2
Als Dilara Akpinar während des Berufsschulunterrichts vom Parlamentarischen Patenschafts-Programm erfuhr, stand ihre Entscheidung innerhalb weniger Minuten fest. Eigentlich hatte sie schon länger mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu gehen. Die USA standen dabei allerdings nie ganz oben auf ihrer Liste. Doch als ihre Lehrerin das PPP vorstellte, war für sie sofort klar: Diese Chance wollte sie nutzen.
„Ich bin direkt aus dem Unterricht raus und habe meine Eltern angerufen und gesagt: Ich bewerbe mich jetzt für Amerika.“
Noch am selben Tag setzte sie sich an ihre Bewerbung. Wenige Monate später hielt sie die Zusage in den Händen und sprang vor Freude vor ihrem Haus herum, so begeistert, dass sogar die Nachbarn fragten, was passiert sei.
Heute, sechs Jahre später, engagiert sich die Alumna des 36. PPP weiterhin im Alumni-Verein, unterstützt Auswahltagungen und Seminare und trägt den PPP-Spirit noch immer mit sich. Für sie steht fest: Das PPP war nicht nur ein Auslandsaufenthalt, sondern eine Erfahrung, die bis heute nachwirkt.
Mit wenigen Erwartungen in ein großes Abenteuer
Als Dilara in die USA ausreiste, hatte sie vor allem ein Ziel.
„Das Einzige, was ganz oben auf meiner Liste stand, war: Du kommst nicht zurück, ohne die Sprache fließend zu sprechen.“
Ansonsten wollte sie sich auf alles einlassen, was kommen würde. Gerade das machte ihre Zeit in den USA so besonders.
Ihre Englischkenntnisse waren vor der Ausreise nicht perfekt. Durch ihren wechselhaften Bildungsweg und den Umstand, dass zu Hause kein Englisch gesprochen wurde, hatte sie oft Sorge, ob ihre Sprachkenntnisse ausreichen würden.

Die Erfahrung in den USA zeigte ihr jedoch schnell, dass Perfektion gar nicht nötig ist.
„Man versteht einen doch. Auch wenn man nicht so gute Englischkenntnisse hat.“
Diese Erkenntnis nahm ihr viele Ängste und gab ihr das Selbstvertrauen, offen auf Menschen zuzugehen.
Eine Gastfamilie, die zur Familie wurde
Platziert wurde Dilara in Mount Carmel an der Grenze zwischen Illinois und Indiana. Dort lebte sie bei einer amerikanischen Gastmutter, die Englischlehrerin war.
Von Anfang an suchte sie den Kontakt zur lokalen Gemeinschaft und engagierte sich ehrenamtlich vor Ort. Gleichzeitig entwickelte sich eine enge Verbindung zu ihrer Gastfamilie.

Was als Austausch begann, wurde schnell etwas viel Persönlicheres.
„Das war keine Gastfamilie für mich. Das war Familie.“
Bis heute steht sie in engem Kontakt mit ihrer amerikanischen Familie. Ihre Gastmutter nennt sie inzwischen einfach „Mom“. Regelmäßige Gespräche, Besuche und gegenseitige Unterstützung gehören noch immer ganz selbstverständlich dazu.
Als Dilara Anfang 2026 erstmals nach sechs Jahren an ihren ehemaligen Platzierungsort zurückkehrte, wurde ihr bewusst, wie tief diese Verbindung tatsächlich ist.
„Die ganze Community wusste, dass ich wieder da bin. Ich habe über 20 Nachrichten bekommen: Dilara, du bist in der Stadt, wir wollen dich sehen.“

Für sie war diese Reise weit mehr als ein Besuch. Sie war die Möglichkeit, ein Kapitel, das durch die Corona-Pandemie abrupt beendet worden war, noch einmal bewusst zu erleben und abzuschließen.
Lernen, wachsen und Verantwortung übernehmen
Während ihres College-Aufenthalts belegte Dilara zusätzliche Englischkurse und vertiefte gleichzeitig ihr Wissen im Bereich Human Resources und Buchhaltung. Diese Kenntnisse halfen ihr später bei ihrem Praktikum in Chicago.
Dort arbeitete sie bei der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Rödl & Partner mitten in Downtown Chicago.
„Man steigt im 29. Stockwerk aus und hat ganz Chicago unter den Füßen.“
Neben den fachlichen Erfahrungen blieb ihr vor allem die Offenheit der Menschen in Erinnerung. Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte hätten sie herzlich aufgenommen und ihr schnell das Gefühl gegeben, dazuzugehören.
Doch nicht nur beruflich entwickelte sie sich weiter. Besonders prägend waren für sie die Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe.
„Jeder Mensch hat neue Erfahrungen, neue Erkenntnisse und neue Geschichten mitgebracht.“
Genau diese Vielfalt beschreibt sie heute als eine der größten Stärken ihres Austauschjahres.
Als das PPP plötzlich endete
Dilara gehört zum 36. PPP-Jahrgang, der besonders in Erinnerung geblieben ist: dem Corona-Jahrgang.
Nach dem Zwischenseminar in Washington, D.C. änderte sich innerhalb weniger Tage alles. Die Teilnehmenden erhielten die Nachricht, ihre Wohnungen zu kündigen, ihre Koffer zu packen und innerhalb kürzester Zeit nach Deutschland zurückzukehren.
„Wir hatten nicht einmal eine Woche.“
Bis heute beschreibt sie die damalige Situation als eine der größten Herausforderungen ihres Lebens.
Die Rückkehr erfolgte mitten in eine Welt, die sich im Ausnahmezustand befand. Auf den Verlust des Austauschjahres folgten Lockdowns, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit.
„Von der Psyche her waren wir völlig unvorbereitet.“
Auch die Monate danach waren schwierig. Arbeitslosigkeit, die Suche nach Orientierung und die Auswirkungen der Pandemie prägten diese Zeit. Dennoch gelang es ihr, Schritt für Schritt ihren Weg weiterzugehen.
Ein beeindruckender Weg nach dem PPP
Nach ihrer Rückkehr begann Dilara ein berufsbegleitendes BWL-Studium und sammelte gleichzeitig vielfältige Praxiserfahrungen.
Sie arbeitete in einer Rechtsanwaltskanzlei, engagierte sich im Bundestagswahlkampf, wechselte anschließend in ein Bundestagsabgeordnetenbüro, übernahm Verantwortung in Leitungsfunktionen und sammelte Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen.
Später arbeitete sie in der Automobilindustrie, bei der Landeshauptstadt Stuttgart und schließlich im Projektmanagement des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Berlin.
Parallel dazu blieb sie politisch und ehrenamtlich aktiv, engagierte sich in der Jugendarbeit und unterstützte weiterhin das PPP.

Besonders stolz ist sie heute darauf, trotz aller Herausforderungen nie aufgegeben zu haben.
„Wenn ich heute zurückschaue, kann ich als junge Frau wirklich stolz auf mich sein.“
Dabei betont sie immer wieder die Unterstützung ihrer Familie, ohne die vieles nicht möglich gewesen wäre.
Warum das PPP bis heute wirkt
Für Dilara hat das PPP nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessert oder ihren Lebenslauf bereichert.
Es hat ihren Blick auf Menschen verändert.
Als junge Frau mit türkischen Wurzeln machte sie in den USA eine Erfahrung, die sie bis heute bewegt. Statt auf Vorurteile traf sie vor allem auf Neugier, Offenheit und Interesse.
„Ich wurde nicht als Ausländerin gesehen.“
Diese Erfahrungen stärkten nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern auch ihre Wertschätzung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Noch heute profitiert sie beruflich von ihrem Austauschjahr. In Bewerbungsgesprächen sei das PPP regelmäßig ein Gesprächsthema. Arbeitgeber interessierten sich für die Auswahl, die internationale Erfahrung und die Kombination aus Theorie und Praxis.

Doch für Dilara ist die größte Wirkung eine andere.
„Familie. Vielfalt. Spirit.“
Mit diesen drei Worten beschreibt sie das PPP.
Und genau dieser Spirit begleitet sie bis heute. Als Alumna, Ehrenamtliche, Mentorin und Ansprechpartnerin für neue Jahrgänge gibt sie ihre Erfahrungen weiter und öffnet anderen die Türen, die ihr selbst einmal geöffnet wurden.
Ein Rat für die nächste Generation
Wenn Dilara zukünftigen PPP-Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Rat geben könnte, dann diesen:
„Lasst alles auf euch zukommen. Es wird Höhen geben, es wird Tiefen geben. Aber dieses Jahr kommt nicht wieder zurück.“
Denn aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schnell ein Abenteuer vorbei sein kann. Umso wichtiger sei es, jede Begegnung, jede Chance und jede Erfahrung mitzunehmen.
Zum Abschluss fasst sie die Wirkung ihres Austauschjahres in einem Satz zusammen:
„Das PPP wirkt für mich bis heute weiter, weil ich ein wunderschönes Jahr mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen hatte und noch immer mit Menschen verbunden bin, die den gleichen Spirit teilen.“
Für Dilara endete das PPP nie wirklich. Es lebt weiter in Freundschaften, Familienbanden, beruflichen Chancen und dem Engagement für kommende Generationen. Genau das macht die Wirkung des Programms für sie bis heute spürbar.