Alexander Holst

„Das macht dieses Programm einzigartig. Wenn man jungen Menschen Chancen eröffnet, die sie sonst vielleicht nie bekommen hätten, dann kann das einen gesamten Lebensweg verändern.“
  • 7. PPP
  • Southside, Virginia
  • Southside Virginia Community College
  • Buchhalter in Miami Beach, FL
  • Geschäftsführer bei Accenture

Wie ein Zeitungsartikel Alexanders Leben veränderte
Das PPP wirkt weiter: Part 4

Als Alexander Holst Ende der 1980er Jahre einen kleinen Zeitungsausschnitt in die Hand gedrückt bekam, konnte er nicht ahnen, welche Auswirkungen dieser auf sein Leben haben würde. Seine Mutter hatte in einem kostenlosen Wochenblatt einen kurzen Hinweis auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm entdeckt: Gesucht wurden junge Berufstätige für ein Austauschjahr in den USA. Für den damals 18-jährigen Industriekaufmann war das der Beginn einer Reise, deren Wirkung bis heute anhält.

Heute lebt Alexander Holst in Kleinmachnow bei Berlin und ist Geschäftsführer bei Accenture. Rückblickend bezeichnet er das PPP ohne zu zögern als „life changing“. Für ihn war das Programm weit mehr als ein Auslandsaufenthalt. Es wurde zum Fundament seiner beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Ein kleiner Zeitungsartikel mit großer Wirkung

Als Alexander Holst sich für das PPP bewarb, stand er noch am Anfang seines Berufslebens. Die Welt wurde internationaler, Unternehmen expandierten zunehmend ins Ausland und Englisch gewann immer mehr an Bedeutung. Genau in dieser Zeit zeigte ihm seine Mutter einen kleinen Artikel im lokalen Wochenblatt.

Der Gedanke, ein Jahr in den USA zu verbringen, ließ ihn nicht mehr los. Also ließ er sich die Unterlagen zuschicken und bewarb sich.

Wochen später folgte einer der prägendsten Momente seiner gesamten PPP-Geschichte.

Als er nach Hause kam, saß seine Mutter mit Tränen in den Augen in der Küche. Vor ihr lag der langersehnte Brief der damaligen Carl Duisberg Gesellschaft mit der Zusage für das PPP. Den Brief hatte sie allerdings bereits heimlich geöffnet und anschließend mit Tesafilm wieder verschlossen.

„Dann hab ich geschrien und bin vor Freude ums Haus gelaufen“, erinnert sich Holst.

Damals konnte er noch nicht wissen, dass diese Zusage seinen gesamten Lebensweg verändern würde.

Vom ländlichen Virginia nach Miami Beach

Die erste Station seines Austauschjahres führte Alexander Holst nach Southside in Virginia. Ein kleines Community College im ländlichen Amerika, weit entfernt von den Bildern, die viele mit den USA verbinden.

Das 7. PPP beim Vorbereitungsseminar

„Im ganzen Landkreis gab es keine Ampel“, erzählt er lachend.

Rückblickend bezeichnet er genau diese Platzierung als Glücksfall. Außer ihm gab es nur eine weitere deutsche Teilnehmerin am College. Da beide weit voneinander entfernt wohnten, tauchte er vollständig in das amerikanische Leben ein.

„Ich habe dort wirklich Amerikaner als Freunde gehabt.“

Für Holst ist genau das bis heute einer der wertvollsten Aspekte seines Austauschjahres. Während er bei späteren Auslandsaufenthalten oft internationale Freundeskreise hatte, erlebte er in Virginia den Alltag der Menschen vor Ort unmittelbar und ungefiltert.

Hinzu kam die besondere Zeitgeschichte: Deutschland stand nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung weltweit im Fokus. Die Menschen sprachen ihn auf Deutschland an, interessierten sich für die aktuellen Entwicklungen und begegneten ihm mit großer Offenheit.

200 Bewerbungen für einen Traum

Nach dem College begann die Suche nach einem Praktikumsplatz. Sein Ziel war klar: Florida oder New York.

Kurz nach Ankunft: Das 7. PPP in den Startlöchern

Die Realität sah allerdings anders aus. Die USA befanden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Phase, der Arbeitsmarkt war angespannt und die Suche gestaltete sich deutlich schwieriger als erwartet.

Alexander Holst schrieb mehr als 200 Bewerbungen.

„Ich habe vorher gedacht, ich bin der geile Alexander aus Deutschland und alle warten auf mich. Und dann merkt man plötzlich: Keiner wartet auf dich.“

Doch Aufgeben kam für ihn nicht infrage. Schließlich erhielt er eine Stelle als Buchhalter in Miami Beach und lebte während seines zweiten Halbjahres in Fort Lauderdale.

Gerade diese Herausforderung sieht er heute als wichtige Lernerfahrung. Sie zeigte ihm, dass Erfolg oft weniger mit Talent als mit Ausdauer zu tun hat.

Ein Jahr voller Entwicklung

Rückblickend hat das PPP für Alexander Holst weit mehr bewirkt als nur bessere Sprachkenntnisse.

Alexander heute

Er wurde selbstständiger, selbstsicherer und lernte, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen.

„Es gibt nicht das Amerika. Genauso wenig wie es das Deutschland gibt.“

Genau diese Erkenntnis begleitet ihn bis heute. Das Austauschjahr habe ihn offener, toleranter und differenzierter gemacht.

Besonders prägend sei dabei die Vielzahl an Erfahrungen gewesen, die in kurzer Zeit auf ihn einwirkten. Neues College, neue Menschen, die Praktikumssuche, ein Umzug nach Florida und schließlich die Rückkehr nach Deutschland. All das habe ihn wachsen lassen.

„Man wird robuster, toleranter und selbstsicherer.“

Das Fundament einer Karriere

Für Alexander Holst war das PPP weit mehr als ein schönes Jahr im Ausland.

Nach seiner Rückkehr machte er sein Fachabitur, studierte European Business Studies und absolvierte später einen MBA an der renommierten IESE Business School in Barcelona. Er lebte und arbeitete mehrere Jahre im Ausland und baute eine internationale Karriere auf.

Heute ist er Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Accenture.

Heute: Geschäftsführer bei Accenture

Wenn er auf seinen Lebensweg zurückblickt, sieht er einen direkten Zusammenhang zu seinem Austauschjahr.

„Ohne dieses Programm wäre vieles nicht passiert.“

Besonders beeindruckt ihn auch heute noch die Idee hinter dem PPP: jungen Menschen Chancen zu eröffnen, die sie aus eigener Kraft oder aufgrund ihrer familiären Situation vielleicht nicht hätten wahrnehmen können.

„Das macht dieses Programm einzigartig.“

PPP wirkt weiter

Die Wirkung des PPP beschränkt sich für Alexander Holst nicht auf seine berufliche Entwicklung.

Durch sein langjähriges Engagement im Umfeld des Programms lernte er später sogar seine heutige Frau kennen. Außerdem engagiert er sich bis heute für den transatlantischen Austausch und ist weiterhin mit dem PPP-Netzwerk verbunden.

Für ihn zeigt sich die Stärke des Programms besonders darin, dass es Potenziale freisetzen kann.

„Das PPP ist life changing.“

Sein Rat an zukünftige Teilnehmende

Wenn Alexander Holst heutigen PPP-Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Rat mit auf den Weg geben dürfte, dann wäre es vor allem einer:

Eintauchen.

„Versucht wirklich Amerikaner kennenzulernen. Macht euer Ding in den USA.“

Dazu gehöre auch, für eine begrenzte Zeit bewusst loszulassen und sich auf das Gastland einzulassen.

„Loslassen ist der bessere Begriff.“

Wer die Chance nutze, vollständig in eine andere Kultur einzutauchen, könne Erfahrungen sammeln, die ein Leben lang nachwirken.

Und genau das ist bei Alexander Holst passiert. Aus einem kleinen Zeitungsartikel wurde ein Jahr in den USA. Aus diesem Jahr entwickelte sich eine internationale Karriere, neue Perspektiven, wertvolle Begegnungen und letztlich ein Lebensweg, den er sich damals kaum hätte vorstellen können.

Für ihn steht deshalb fest: Manche Chancen verändern nicht nur ein Jahr. Sie verändern ein Leben.